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Musik

Beethovens Pathétique: so oder so?

Hallo? Wie soll ich denn jetzt …? Ich habs doch jetzt erst sorum gelernt! Soll ich jetzt …?

Ah — sorry, worum es geht? Beethoven. Ludwig van. Ja, genau der. Und seine Klaviersonate Opus 13. Die heißt auch „Grande Sonate pathétique“. Und ist wunderschön. Ihr kennt doch bestimmt den 2. Satz? Nein? Der geht so:

So. Und weil das soooo schöne Musik ist, möchte ich das auch gerne spielen und lerne das jetzt im Klavierunterricht als mein zweites Stück. (Das erste war Schostakowitschs Romanze aus den Puppentänzen. Bin ja der weltgrößte Schostakowitsch Fan. Aber dazu vielleicht mal was in einem anderen Beitrag. ;-))

Man braucht also die Noten. Und da Musik bei uns in der Familie schon in früheren Generationen immer eine Rolle gespielt hat, habe ich Beethovens 2. Pathétique-Satz in einem uralten Notenbuch gefunden und keine neuen Noten gekauft. Erstmal.

In diesem ollen Buch („Sang und Klang im XIX und XX Jahrhundert (Band VII)“, da gabs viele Bände damals, ein Almanach von hübschen, Salon-fähigen Stückchen aus Oper, Operette, Lied, Konzert) ist der Notenstich folgendermaßen:

Wir haben also in den ersten beiden Zeilen jeweils fünf Takte. Aber vor allem haben wir die Mittelstimme (die Sechzehntelnoten) im oberen System, also in der rechten Hand notiert. Hatten sich die Notenstecher (nicht: Kupferstecher, das ist was anderes ;-)) von Breitkopf & Härtel damals so ausgedacht. Und so habe ich es jetzt auch angefangen, zu lernen. Und das ist nämlich eine mittelprächtige Herausforderung (zumindest für mich als Quasi-Anfänger)! Denn: wichtig und hörbar soll ja die Melodie sein, die oberste Stimme. Die liegt aber auch in der rechten Hand. Nun muss man also das Kunststück vollbringen, mit der rechten Hand sowohl die Melodie in etwas lauter als auch die Begleitung in etwas leiser zu spielen. Macht das mal! Gar nicht einfach!

Möglicherweise haben sich das auch die modernen Notensetzer des Wiener Urtext Verlags gedacht … Denn da mein altes Buch so dick ist und auch nur den 2. Satz enthält und mich die anderen auch interessieren, habe ich deren Ausgabe dieser Sonate gekauft. War ein Tipp von Nancys Klavierlehrer. Und als ich in Richtung 2. Satz blättere, fange ich an, zu stutzen. Denn da sehe ich:

Als erstes hab ich gedacht: achja! Schön! Viel luftiger! Nur vier Takte pro System. Aber dann: Moment mal! Ist das die selbe Musik? Meine alten Noten sehen ganz anders aus! Hoppla & Hallo! Was ist das denn? Jetzt ist ja die Mittelstimme für die linke Hand notiert!? Wie kann das denn sein?! Und auch wenn das kleine Zeichen in der Mitte des zweiten Taktes andeuten soll, dass diese Stimme ab da in der rechten Hand gespielt werden soll: notiert bleibt sie im unteren System!

Nun sind ja Verlage wie Henle oder eben Wiener Urtext dafür bekannt, dass sie sich besonders viele Gedanken darüber machen, wie denn nun das Original vom Komponisten aussah und gedacht war, welche Angaben von ihm sind oder was alles im Laufe der Jahre dazugedichtet wurde. Und obwohl die Ausgabe von Wiener Urtext wirklich schön ist und viel begleitenden Text aller Art enthält, habe ich bisher keine Hinweise auf genau dieses Phänomen hier zu Beginn des zweiten Satzes gefunden.

Ich werde also bis zum nächsten Klavierunterricht warten müssen, bis sich dieses Rätsel auflöst und bis ich weiß, wie ich es denn nun lernen soll. Ich werde an dieser Stelle berichten. 😉

P.S.: Übrigens — Daniel Barenboim spielt es im obigen Video so wie im ersten, alten Notenbeispiel: Melodie und 16tel-Begleitstimme von Anfang an in der rechten Hand …

[UPDATE 2012-01-22] Heute im Klavierunterricht konnte ich mit meiner Lehrerin über die Noten sprechen. Aber große Erkenntnisse sind es nicht, die dabei herauskamen. Beethoven wird es wohl so, wie es in der Ausgabe vom Wiener Urtext Verlag zu lesen ist, auch aufgeschrieben haben. Aber man darf das alles nicht so eng sehen! Wir müssen uns in die Zeit Beethoven versetzen. Damals hat man es halt gespielt, wie es am besten lag. Und offenbar haben die Pianisten der Zeit schnell gemerkt, dass es wohl sinnvoller sei, die Mittelstimme mit in die rechte Hand zu nehmen. Das wiederum scheint sich so verbreitet und durchgesetzt zu haben, dass es dann die damaligen Verlage des beginnenden 20. Jahrhunderts in ihre Drucke übernommen haben. Meine Lehrerin sagt, sie kenne das auch so, wie es in der Ausgabe von Breitkopf & Härtel gesetzt wurde. Aber man muss auch aufpassen, weil damals gern viel dazugedichtet wurde. Wir haben beide Ausgaben verglichen und haben später im B&H-Notentext noch ein paar kleine Fehler gefunden.

Also kurz zusammengefasst: die Wiener Urtext Ausgabe ist sicher am nächsten an der tatsächlichen Version dran, wie sie Beethoven damals aufgeschrieben hat. Aber ich bleibe (zumindest für diesen 2. Satz) bei der Version von Breitkopf & Härtel, weil sie der tatsächlichen Aufführungspraxis der Zeit vielleicht ein bisschen näher kommt. Und weil ich jetzt schon angefangen habe, danach zu lernen und das neue Notenbild mich total irritiert! Aber da sind ja noch der erste und der dritte Satz in der Wiener Urtext Ausgabe … 😉

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