FitnessTrackerEigentlich wollte ich ja einen großen, umfangreichen Vergleichstest meiner vier seit einigen Wochen im Test befindlichen Fitnesstracker machen. Aber irgendwie scheint das Unterfangen zu aufwändig und so wurde schon seit Wochen nichts daraus. Da Karins Withings Pulse nun aber dem Wasserschaden zum Opfer gefallen ist und sie Input braucht, was sie sich als Ersatz kaufen soll, habe ich beschlossen, nur einen kleinen Beitrag zu dem Thema zu schreiben (naja, ist doch etwas länger geworden). Los geht’s.

Seit vielen Wochen (oder Monaten?) habe ich diverse Fitnesstracker im Einsatz. Der Fitbit One war der erste, dann kam das Jawbone UP dazu, das Nike Fuelband und zuletzt der Withings Pulse. Wie die Dinger aussehen wisst ihr ja eh schon bzw. könnt ihr euch auf den Webseiten der Hersteller anschauen. Hier mal meine allgemeinen, persönlichen Eindrücke zu jedem einzelnen Gerät. Eins noch vorweg, was für alle Geräte gilt und was man nie vergessen sollte: das sind Lifestyle Geräte, die einem ungefähre Werte liefern! Das sind keine medizinisch genauen Messinstrumente!

Fitbit One

Der One von Fitbit gehört zu den Geräten, die man nicht am Handgelenk, sondern irgendwo an der Kleidung festclipst. Ich trage ihn immer am Gürtel vorn rechts. Dazu steckt er in einer mitgelieferten kleinen Hülle, die eine starke, feste Klammer hat. Manchmal etwas zu fest, aber besser so als zu leicht. Diese Hülle geht also schonmal nicht verloren. Der One in ihr dagegen scheint mir nicht sooo bombenfest drin zu sitzen und es ist schon ein wenig eine Fummelei, den Tracker da rein- und wieder rauszubekommen. Denn wenn man mit dem One auch seinen Schlaf tracken will (das kann er), muss man ihn aus diesem „Clip-Gehäuse“ herausholen und in ein Klettverschluss-Armband einlegen für die Nacht. Morgens dann das Umgekehrte. Und da das so ein Gefummel ist, tracke ich meinen Schlaf schon länger nicht mehr mit dem One (sondern meist mit dem Jawbone UP). Das ist für mich das Hauptunterscheidungsmerkmal: wie man den Tracker trägt. Geräte für das Handgelenk haben halt den unschlagbaren Vorteil, dass man sie immer automatisch dabei hat, weil man sie einfach direkt am Körper und nicht an der Kleidung trägt. Ein Jawbone UP z.B. kann man auch beim Duschen anlassen und so kann man es 24h pro Tag tragen. Ohne Nachdenken, ohne Fummeln.

Schöne Vorteile des Fitbit One sind natürlich, dass er ein Display hat und sich drahtlos via Bluetooth mit dem Smartphone (iOS wie Android) syncen lässt. Apropos syncen: das war beim One anfangs etwas hakelig. Öfters starrt man auf den Bildschirm des Smartphones und wartet und wartet und wartet, bis die App das Gerät findet und sich syncen kann. Des öfteren musste ich den Fitbit One dann auch mal komplett aus der App löschen und neu verbinden, damit das klappt. In letzter Zeit scheint es aber besser geworden zu sein, vermutlich kam die Verbesserung mit einem App Update.

Der Fitbit One kann übrigens auch zählen, wieviele Treppenstufen man am Tag gegangen ist. Bzw., genauer, es werden Stockwerke gezählt. Aber nicht der reine Höhenunterschied (Aufzugfahren und Rolltreppen zählen also nicht), sondern schon Schritte nach oben oder unten. Und wer auf Gamification steht, dem gefällt vielleicht die Blume, die auf dem Display des One um so mehr wächst, je fleißiger man ist.

Der Akku hält ausreichend lange, ca. eine Woche, damit kann man prima leben. Da nehmen sich aber alle Geräte nicht viel. Das Nike Fuelband sticht positiv heraus, hält gefühlt länger als die anderen Kandidaten.

Jawbone UP

Ich hatte schon die erste Version des UP gekauft, im November 2011 kam es erstmals heraus. Das war ein totales Desaster, weil nahezu alle Geräte Probleme mit dem Akku hatten, der plötzlich einfach seinen Geist aufgab. Jawbone hatte damals in einer teuren Aktion allen Kunden angeboten, das Geld zurückzugeben, no questions asked. Kaputtes Gerät „durfte“ man sogar behalten. So habe ich es damals auch geregelt und mir fest vorgenommen: nie wieder ein Jawbone UP! Als es dann aber neu herauskam und wir gerade in den USA waren, haben wir uns von der Begeisterungs- bzw. Marketing-Welle anstecken lassen und es doch wieder gekauft. Die App gefiel mir auch deutlich besser als vorher und die User Experience war in den ersten Wochen auch echt gut. Klar, Nachteil ist: es hat kein Display (nur zwei LEDs) und man muss es immer abnehmen und ans Smartphone stöpseln, um die Daten zu syncen, da es kein Bluetooth hat. Man möchte meinen, dann müsste der Akku ja wesentlich länger halten. Tut er aber nicht. Ca. eine Woche wie die anderen auch.

Man gibt sogar in der ersten Woche seine Mahlzeiten ein, verliert daran aber schnell die Lust. Woran aber nicht Jawbone oder die App schuld ist. Es steckt schon eine große Datenbank dahinter und die Eingabe bekannter (US-)Produkte, z.B. Starbucks Getränke oder Essen, geht gut. Aber das Grundproblem der Essens-/Kalorienerfassung ist halt, dass man schlecht in der Kantine feststellen kann, wieviele Kartoffeln man denn nun genau zu sich genommen hat. Und ein individuell gekochtes Gericht — wie will man das bewerten und eingeben?

Trotz des nicht vorhandenen Displays und der fehlenden Drahtlos-Funktionalität hat das UP aber entscheidende Plus-Punkte: man kann es 24/7 direkt am Körper tragen (z.B. auch beim Duschen) und es kann einen morgens in einer Leichtschlafphase wecken. Das ist wirklich bisher ein Alleinstellungsmerkmal. Da wir ein Wasserbett haben, scheiden für uns alle App-basierten Lösungen für Schlaftracking eh aus. Das Jawbone macht seine Sache da ordentlich und meist passt das Schlaf-Tracking Ergebnis auch (z.B. wenn man sich erinnert, dass man mal wach war, findet man das meist auch im Schlaf-Protokoll). Das Wecken in Leichtschlafphase funktioniert bei mir sehr gut und ich fühle mich dann tatsächlich deutlich weniger gerädert als wenn der normale Wecker einen brutal zur voreingestellten Uhrzeit aus dem Tiefschlaf reißt. Das Vibrieren des UP am Handgelenk ist einerseits dezent genug, um den Partner nicht mit zu wecken, andererseits deutlich genug, um tatsächlich wach zu werden.

Leider scheint Jawbone die Fertigungsqualität aber immer noch nicht im Griff zu haben. Sowohl mein UP, als auch das meiner Frau als auch die von drei Freunden mussten bereits einmal getauscht werden (was über den Support relativ problemlos ging), da sie plötzlich von heute auf morgen tot waren. Keine Reaktion mehr, kein Laden möglich, keine LED leuchtete, Exitus. Das erzeugt kein gutes Gefühl und ich bin gespannt, wie lange das aktuelle hält, bevor es wieder getauscht werden muss. Die Garantie hält auch nicht ewig. Auch die eine Taste am UP fängt mittlerweile schon wieder an, klapprig zu werden, so dass man Klappergeräusche hört, wenn man es antippt. Das war zu Beginn, als es neu war, nicht so. Da saß die Taste gut fest. 🙁

Nike Fuelband

Das Nike Fuelband (noch das „alte“, nicht das neue „SE“) macht einen soliden Eindruck. Von Fertigungsproblemen geht man da erstmal nicht aus. Man trägt es wie das UP am Handgelenk und kann die Länge durch kleine oder größere Zwischenstücke ähnlich einem Uhren-Metallarmband selbst einstellen. Im Unterschied zum Up hat es einen Verschluss und verläuft so — wie eine Uhr — in einer „Linie“. Das UP ist ja geöffnet, was manchmal beim Aus- oder Anziehen zu Verhakelungen mit Klamotten führt. Nach längerem Tragen (vielen Wochen) kam es bei mir aber auch vor, dass die Verschlüsse des Fuelband sich lockerten. Da musste dann das ein oder andere Schräubchen nachgezogen werden. Zuletzt fiel es leider so auseinander, dass eine Mini-Feder dabei verloren ging, so dass ich es nicht selbst reparieren konnte. Hier ein großes Lob an den Nike Kundenservice! Über Twitter angesprochen wurde ich zum deutschen Support geleitet, den ich telefonisch kontaktierte und der extrem nett, hilfreich, professionell ist. So wie man es von Amazon z.B. gewöhnt ist. Neue Zwischenstücke und eine neue Schließe sind auf dem Weg zu mir. Und wenn das nicht hilft, ist auch der Austausch gegen ein neues Fuelband kein Problem.

Das Fuelband ist am Handgelenk der größte Hingucker, dank seines hellen, weißen Punktmatrix Displays, der Animationen darauf und des zusätzlichen Bandes aus zahlreichen grünen, gelben und roten mini LEDs. Da das Fuelband auch die Uhrzeit anzeigen kann, tragen manche schon keine Uhr mehr, sondern nur noch das Fuelband. (Mit dem SE wird das nochmal komfortabler, da man dort die Uhrzeit schneller anzeigen lassen kann.) Für mich keine Option, da ich ja bekennender Fan von Smartwatches bin und im Moment die Samsung Galaxy Gear trage. Aber ich schweife ab. (Das wird ein anderer Artikel. ;-))

Das Nike hat ebenfalls Bluetooth und gleicht sich somit drahtlos mit der Smartphone App ab. Das funktioniert beeindruckend gut, denn man hält lediglich die einzige Taste des Fuelband gedrückt, bis auf dem Display SYNC erscheint und das war’s. Man muss nicht mal sein iPhone hervorholen. Es kann gesperrt sein, der Sync klappt trotzdem. Das ist schon super. Ansonsten hat Nike sich ja die Einheit „Fuel“ ausgedacht, um die körperliche Aktivität zu messen und so vergleichbarer zu machen. Ich halte das für eher fragwürdig. Woher weiß das Band, ob ich mit oder ohne 20 kg Rucksack 10 km gehe? Woher weiß es, ob ich gerade Fahrradfahre oder Tischtennis spiele? Hm. Nun. Marketing. Aber dennoch muss man sagen: diese Form von Gamification funktioniert, denn man will ständig schauen, wie weit man schon ist, wie groß die Zahl über den Tag schon geworden ist, ob man sein selbst gesetztes Ziel erreicht, wie weit die LED-Kette geht, ob man schon aus dem roten Bereich im gelben oder gar grünen gelandet ist. Dann noch der Vergleich mit Freunden, die es auch haben … das kann einen schon packen. Neben diesem Fuel kann einem das Armband aber auch die zurückgelegten Schritte und die verbrannten Kalorien anzeigen.

Aber es ist halt von Nike und das ist eine „Sport-Firma“ und da geht es wohl auch eher um den sportlichen Aspekt. Denn das Fuelband hat keinen Vibrationsmotor und kann weder Schlaf tracken, noch wecken oder Höhenunterschiede messen. Und der Vorteil des 24/7-Tragens (und dadurch lückenlosen Trackens) wird beim Fuelband und beim Jawbone UP natürlich dadurch getrübt, dass man die Handballen nicht mehr so einfach auflegen kann, wenn man am Rechner sitzt. Insbesondere der Metallverschluss des Fuelbands kratzt dann auf der Handballenablage des Macbooks. Wääh. 🙁

Withings Pulse

Die Kaufentscheidung für den Withings Pulse fiel, weil er (scheinbar) ein schönes, informatives Display hat und vor allem, weil man mit dem Pulse den Puls messen kann. Allerdings ist es genau wie der Fitbit One ein Gerät, was man in einem Clip an der Kleidung tragen muss und daher auch oft hin und her, rein und raus bewegt. Auch mit dem Pulse kommt ein Armband für die Nacht, denn auch hier ist Schlaftracken möglich. Macht er auch ordentlich. Aber vibrieren und wecken kann er nicht. Und das auf den Webseiten so scharfe OLEDisplay steckt in Wirklichkeit hinter einer leicht trüb machenden Plastikscheibe. Das war für mich schon eine mittlere Enttäuschung, als ich es das erste mal sah. Ich hab immer nach einer Schutzfolie gesucht, die man noch abziehen kann, damit es endlich scharf wird. 🙁

Das Pulsmessen ist aber dann schon schick. Auf der Rückseite geht eine grüne LED an und man hält seinen Finger davor. Nach wenigen Sekunden sieht man seinen Puls auf dem Display. Funktioniert meistens gut, aber nicht immer.

Der Clip ist beim Pulse doch deutlich besser als der Clip des Fitbit One. Erstens schließt er nicht sooo fest, so dass man weniger Probleme hat, ihn vom Gürtel auch mal wieder abzuziehen, als beim Fitbit One. Aber meist lässt man den Clip ja da, wo er klemmt und entnimmt nur den Tracker. Das geht beim Pulse auch einfacher als beim Fitbit One. Und das Wieder-Einsetzen auch. Advantage Withings. 😉

Ähnlich wie beim Fitbit One kann der Pulse Höhenunterschiede messen. Mir ist aber nicht klar, ob er das auch nur brav in Kombination mit Schritten tut, denn das Icon auf dem Display ist ein Berg, keine Treppe wie beim One.

Die Apps

Ach, die Apps. Ja nun. Letztlich Geschmackssache, würde ich sagen. Die eine bietet direkt auf der Startseite die Daten des heutigen Tages an und erlaubt, auf die Tage davor zu wechseln. Bei anderen muss man dafür erst in eine Art Kalenderansicht wechseln. Manche bieten im Querformat hübsche Übersichtsgrafiken, andere bleiben im Hochformat. Manche erlauben das Hinzufügen von Freunden oder „Teammitgliedern“ (Jawbone, Fitbit, Nike), andere nicht bzw. indirekt (Withings; man kann in seinem Account z.B. Familienmitglieder hinzufügen). Schön finde ich bei Jawbone die Integration von anderen Diensten in die Timeline. So kann ich z.B. das Gewicht, was meine Withings Waage liefert mit einblenden.

Weitere Kandidaten

Nicht im Programm habe ich das Fitbit Flex. Das hätten wir zwar fast im Sommer im Urlaub in den USA gekauft, aber es kam da gerade erst auf den Markt und war überall sofort ausverkauft bzw. nur schwer zu bekommen. Es hätten mich aber auch die nur fünf weißen LEDs gestört, denn ich bin ein Fan von Displays, dir mir direkt am Gerät eine Zahl anzeigen können. Ohne Sync. Und ohne aufs Smartphone gucken zu müssen.

Das Fitbit Force sieht wie ein cooler neuer Ansatz aus, da es am Handgelenk tragbar ist, drahtlos synct und ein Display hat. Allerdings ist es im Vergleich zu seinem Vorgänger Flex breiter und dicker geworden und der Knubbel mit Display scheint etwas aufzutragen. Mal abwarten, ob das ein Kaufkandidat bei mir wird. 😉

Nike hat gerade eine Neuauflage des Fuelbands vorgestellt, das Fuelband SE — allerdings scheint mir daran nicht so viel neues zu sein. Klar, Bluetooth 4.0 verspricht, mehr Strom zu sparen und ggfs. ständigen Kontakt zwischen Armband und Smartphone zu haben für Echtzeit Sessions. Ansonsten hat es neue Farben (die aber innen liegen). Ansonsten haben sie wohl an der App ein bisschen was verändert. Und: es gibt immer noch keine Android Version, nur iOS wird unterstützt. Ach, und es erscheint damit auch erstmals offiziell in Deutschland! Am 6. November 2013. Bisher musste man es z.B. im Nike UK Online Store kaufen.

Zukunft

Es gibt fast wöchentlich neue Produktankündigungen in diesem Marktsegment. Und auch auf den einschlägigen Crowdfunding Plattformen wird man mittlerweile fündig. Ich habe das Projekt Angel auf Indiegogo unterstützt (läuft noch 15 Tage!), weil mir daran viele Dinge gut gefallen. Allen voran, dass die aufgenommenen Daten mir gehören und ich mir selber eine App schreiben kann, die alles auslesen und verarbeiten kann, was das Band sammelt. Und das Band sammelt eben permanent z.B. den Puls, weil es innen (am Arm) liegende Kontakte hat. Weiterhin kann es auch über die üblichen Werte (Schritte, Puls) hinausgehende Werte ermitteln, nämlich den Sauerstoffgehalt im Blut. Ganz wie der von mir ebenfalls unterstütze Scanadu Scanner, auf den ich schon sehnsüchtig warte.